Suat Bakır?

Suat Bakır? (stellvertretender Vorsitzender des rbb-Rundfunkrates) hat für AYPA geschrieben:

Der Sparzwang ist unumgänglich, wenn im Budget Ausgaben höher sind als die prognostizierten Einnahmen. Da die Einnahmen zumindest in dieser Gebührenperiode nicht nach oben hin veränderbar sind, müssen die Ausgaben gesenkt werden. In solch einer Situation befindet sich der RBB. Wenn Sparmaßnahmen zwingend notwendig sind, darf nicht als erste Möglichkeit die Streichung einer Radio-Welle einfallen, die durch ihren deutsprachigen Teil die Belange der Migration und Integration den Hörern konzentriert zum Ausdruck bringt und die vielstimmige Region Berlin-Brandenburg abbildet. In den fünf Stunden der fremdsprachigen Sendungen wird nicht nur den sprachunkundigen Migranten der Informationsbedarf gedeckt, es dient auch den sprachkundigen Migranten als ein Zeichen der Aufnahmebereitschaft der Mehrheitsgesellschaft. Der Beitrag dieses Sendeformats für die Integration der mehr als 400.000 Migranten ist enorm und für unsere Gesellschaft unverzichtbar. Der fremdsprachige Teil im Programm ist für die Migranten die einzige Quelle für regionale Nachrichten. Last but not least ist es der Einstieg und die Brücke in die übrigen Fernseh- und Radioprogramme der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten. Wir können nicht auf der einen Seite bemängeln, dass Migranten viel zu viele Medienbrücken in ihre alten Heimatländer nutzen, die ihre Integration verzögern, und auf der anderen Seite die wenigen Brücken niederreißen, die wir mühsam aufgebaut haben, statt diese auszubauen.

Dem gesellschaftlichen Konsens, den wir mittlerweile parteienübergreifend erzielt haben, die Integration der Migranten als eine der Hauptaufgaben unserer nahen Zukunft zu betrachten, würde die Streichung dieser Programminhalte einen schweren Schaden zufügen, wenn nicht gar der Glaubwürdigkeit berauben. Diesem Konsens sind deutschlandweit neben den Unternehmen auch die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten beigetreten, die diesen sogar als Nahziel in ihre Leitbildkataloge aufgenommen haben. Von der Utopie, in allen Kanälen und Wellen die Vielstimmigkeit zu erleben, die solch ein separates Radioprogramm nicht mehr notwendig macht, sind wir noch Jahre entfernt. Bis wir dieses Ziel gesellschaftlich und medienpolitisch erreicht haben, brauchen wir diese Programminhalte. Wenn dieses Format nicht existieren würde, müssten wir es sehr teuer neu installieren.

Die Printmedien griffen in den letzten Tagen dieses Thema auf. Ich habe Verständnis für Ängste und Reaktionen von Mitarbeitern des Senders, wenn von Sparzwängen die Rede ist. Nach jetzigem Informationsstand werden alle sieben Wellen und das Fernsehprogramm auf Sparmöglichkeiten überprüft.

Als Vertreter aller Gebührenzahler, somit auch der Migranten, der sowohl Programminhalte als auch stets deren Finanzierung nah zu begleiten hat, bin ich fest davon überzeugt, dass die Geschäftsleitung des Senders sich des gesellschaftlichen Nutzens innerhalb des staatsvertraglichen Sendeauftrages bewusst ist und sich diesen Argumenten nicht verschließt. Bei der Suche nach Sparquellen darf dieses Sendeformat nicht vom Äther verschwinden. Der Phantasie und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Trotz der schwierigen finanziellen Situation des Senders in den nächsten Jahren und der deshalb aktuell notwendigen zukunftsweisenden Entscheidungen bin ich zuversichtlich, dass Frau Intendantin Dagmar Reim auf der Suche nach Lösungen, sowohl den unumgänglichen Sparzwängen als auch dem uneingeschränkten Beitrag des Senders zur Integration von Migranten in diesem Sendeformat gerecht wird.

Suat Bakýr - 19.05.2008

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Berlins Integrationsbeauftragter: Medien müssen auch die Einwanderungsgesellschaft abbilden.

Gestern Abend wurde Suat Bakýr als Vertreter der Berlin-Brandenburger Migrantinnen und Migranten im Rundfunkrat des RBB wiedergewählt. Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Günter Piening, sieht darin ein deutliches Anzeichen, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland zunehmend seiner Aufgabe und Verantwortung bewusst wird, die durch Jahrzehnte der Einwanderung veränderten gesellschaftlichen Realitäten und ihre Potenziale auch in Programm und Struktur der Medien zur Geltung zu bringen. „In den großen Zuwanderercommunities“, so Piening, „herrscht oft Resignation und Enttäuschung, dass die Einwanderungsgesellschaft bisher so wenig Spuren in den Medien, gerade auch den öffentlich-rechtlichen Medien, hinterlassen hat. Bisher sind nur zwei bis drei Prozent aller Journalistinnen und Journalisten Ausländer, und viele von ihnen arbeiten bei Nischensendern und Zeitungen, die sich vorrangig wiederum an Migrantinnen und Migranten richten. Wer laut darüber Klage führt, dass Minderheiten sich angeblich in ‚Parallelgesellschaften’ zurückziehen oder in ihren Haushalten die Fernseher vorwiegend auf Satellitenprogramme aus der alten Heimat eingestellt sind, muss auch fragen, warum viele deutsche Medien nicht genügend Attraktivität für Migrantinnen und Migranten besitzen“, unterstrich der Integrationsbeauftragte. „Minderheiten wollen nicht ständig nur in den Kontext einer angeblich gescheiterten Integration gestellt werden, egal ob in der Opfer- oder Täterrolle. Sie vermissen die Würdigung ihres wirtschaftlichen und kulturellen Beitrags im Alltagsprogramm.“ Die Aufgabe des neu gewählten Migrantenvertreters im Rundfunkrat wird es sein, diese Defizite in Programm- und Mitarbeiterstruktur aufzuzeigen und gegenzusteuern. Suat Bakýr sieht dies durchaus als langen und mühsamen Weg, auf dem es aber auch bereits Erfolge zu verzeichnen gibt: „Migration und Integration haben einen wichtigen Stellenwert beim RBB erhalten; wir haben es geschafft, beide Schlagwörter in die Zielvereinbarungen bzw. Leitlinien beim RBB und bei der ARD als Querschnittsaufgabe der Sender aufzunehmen. Insbesondere das Thema Rassismus wird schwerpunktmäßig von der Chefredaktion permanent beobachtet und in Sendungen verarbeitet.“

Suat Bakýr, geboren am 9.4.1962 in Ýzmir kam als 8-Jähriger nach Deutschland. Nach dem Abitur in Berlin hat er hier an der Technischen Universität das Studium der Volkswirtschaftslehre mit dem Diplom abgeschlossen. Er arbeitet als Prokurist in einem Berliner Kreditinstitut. Als Vertreter im Rundfunkrat sind seine Erfahrungen in der Arbeit bei verschiedenen Migrantenvereinen eine wichtige Basis. Seit November 2005 ist er stellvertretender Vorsitzender des Rundfunkrats beim RBB.

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